Geschichte der Homöopathie

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, wurde am 10. April 1755 in Meißen (Sachsen) geboren. Zu diesem Zeitpunkt war Voltaire 61 Jahre, Kant 31 Jahre und Goethe 6 Jahre alt. Das schnellste Fortbewegungsmittel zu dieser Zeit war das Pferd. Elektrisches Licht gab es noch nicht.

Hahnemann fiel schon in der Schule durch seine überdurchschnittlichen Leistungen auf. Mit 20 Jahren begann er, Medizin zu studieren und ließ sich danach als praktischer Arzt nieder. Zum Broterwerb für seine vielköpfige Familie betätigte sich Hahnemann unter anderem als Übersetzer wichtiger medizinischer Literatur.

So übersetzte er ein damaliges medizinisches Standardwerk, die „Materia medica“ (Berichte über Erfahrungen mit Arzneien) von William Cullen. In dieser „Materia medica“ führte Cullen die Wirkung der China-Rinde (Rinde des China-Baumes) gegen Malaria auf einen magenstärkenden Einfluss zurück. Hahnemann selbst war schon in früheren Jahren an Malaria erkrankt und lernte die Wirkung der Chinarinde in einer ganz anderen Art und Weise kennen. Er entschloss sich, die Aussage von Cullen, die Chinarinde sei magenstärkend, zu überprüfen und nahm im Selbstversuch die Chinarinde ein. Seine Füße wurden kalt, er wurde träge und schläfrig. Das Herz begann zu klopfen und sein Puls wurde hart und klein. Unerträgliche Angst, Zittern und Erschöpfung erfasste seine Glieder. Weitere charakteristische Beschwerden für Wechselfieber traten auf: Fieberschübe, Milzschwellung, Anämie und andere. Hahnemann beobachtete also an sich selbst, nachdem er als Gesunder die Chinarinde eingenommen hatte, Symptome, die er aus der Zeit kannte, als er selbst Malaria hatte.
Er folgerte daraus:

Chinarinde erzeugt beim Gesunden Symptome, die der Malaria ähnlich sind!

Andererseits wurde die Chinarinde zu dieser Zeit erfolgreich als Standardmittel bei Malaria eingesetzt. Aus diesen Beobachtungen heraus formulierte Hahnemann das Ähnlichkeitsgesetz:

Similia similibus curantur

(Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt)

1796
Sechs Jahre nach seinem Chinarindenversuch tritt Hahnemann erstmalig mit seiner Idee an die Öffentlichkeit.

1810
Es erscheint sein Grundlagenwerk „Organon der rationellen Heilkunst“

1812
Hahnemann erhält eine Professur an der medizinischen Fakultät in Leipzig.
Er wird dort als ein hochangesehener Wissenschaftler und Arzt weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt.

1821-1835
Diese Jahre verbringt Hahnemann in Köthen (am Hofe von Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen) und erhält dort den Hofratstitel. Kranke aus ganz Europa konsultieren ihn. In dieser Zeit verfaßt Hahnemann seine wichtigsten Werke, die heute immer noch unveränderte Gültigkeit haben und zu den bedeutendsten Grundlagenwerken der Homöopathie gehören.

1828
Es erscheint sein Werk „Die chronischen Krankheiten“.

1830
Hahnemann veröffentlicht die 3. Auflage seiner sechsbändigen „reinen Arzneimittellehre“.

1835
Samuel Hahnemann heiratet 80jährig zum zweiten Male und siedelt mit seiner Frau Melanie nach Paris über.

Am 2.Juli 1843 starb Hahnemann im Alter von 88 Jahren in Paris. Er hatte bis zu seinem Lebensende 99 Arzneien geprüft und, was das Wichtigste ist, eine Therapie etabliert, deren Gesetze bis heute uneingeschränkte Gültigkeit besitzen. Von ihm stammt die Aussage:

„Macht«s nach, aber macht«s genau nach“.


Die Geschichte der Homöopathie nach Hahnemann

Schon zu Lebzeiten Hahnemanns hatte sich die Homöopathie über die Grenzen Europas hinaus in der ganzen Welt verbreitet. Der berühmteste Schüler Hahnemanns war von Bönninghausen, dessen Repertorium (Symptomensammlung) heute noch von Homöopathen benutzt wird.

Hering (1800-1880) hörte während seines Medizinstudiums Vorlesungen von Hahnemann. Er wanderte später nach Nordamerika aus, wo er 1848 das „Hahnemann Medical College“ in Philadelphia gründete. Mit Hering begann die große Tradition der amerikanischen Homöopathie. Von ihm stammen die wichtigsten Arznei-prüfungen der Schlangengifte.

James T. Kent (1849-1916) war einer der größten homöopathischen Lehrer in Amerika. Seine drei großen Werke „Zur Theorie der Homöopathie“, „Kents Arzneimittelbilder“ und das „Kent – Repertorium“ sind bis heute die absoluten Grundlagenwerke für jedes Homöopathiestudium.

Aber es gab nicht nur Befürworter der Homöopathie. Schon Hahnemann wurde zu seinen Lebzeiten außergewöhnlich scharf kritisiert. Um die Verbreitung der Homöopathie zu verhindern, rief 1909 ein deutscher ärztlicher Bezirksverein sogar eine „Kommission zur Bekämpfung der Homöopathie“ ins Leben. 1940 wurden beispielsweise in Argentinien alle homöopathischen Mittel und Zubereitungen für Geheimmittel erklärt und verboten. Die Gegner der Homöopathie kamen aus der naturwissenschaftlichen Medizin. Ihr Hauptvorwurf war, dass die Homöopathen mit „lauter Nullen“ (zu hohen Verdünnungen) heilen wollten.

Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts vollzog die Schulmedizin eine enorme Entwicklung. Mediziner setzten auf neue Erkenntnisse der Naturwissenschaft. Das Mikroskop und die damit gewonnenen Vorstellungen von Krankheitserregern, deren Bekämpfungsmöglichkeiten, die Sulfonamide, das Penicillin und die Handhabung von Röntgenstrahlung waren die Hoffnungsträger der damaligen medizinischen Welt. Das führte dazu, daß die Homöopathie Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland ein Schattendasein fristete. Der Versuch, homöopathisches Wissen in die Wissenschaft zu integrieren, schlug fehl. Die sogenannten naturwissenschaftlich-kritischen-Homöopathen, aus deren Umfeld sich das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und in den 50er Jahren die sogenannte Stuttgarter Schule entwickelte, scheiterten daran, dass sie die grundlegenden Prinzipien der Homöopathie aus naturwissenschaftlichen Vorurteilen heraus nicht aufnehmen konnten. Heute ist das Robert-Bosch-Krankenhaus, obwohl als homöopathisches Krankenhaus tituliert, ein Krankenhaus mit schulmedizinischer Behandlungsweise.

Die Klassische Homöopathie war in Deutschland bis in die 50er Jahre hinein fast ausgestorben. Einen neuen Impuls bekam sie durch den Arzt P. Schmidt, der die Homöopathie nach dem ersten Weltkrieg bei den Schülern Kents in Amerika erlernte und sie den Europäern wieder ins Gedächtnis brachte. Durch seine Schüler, die Ärzte und deren Wirken erfährt die Klassische Homöopathie heute einen starken Zuspruch. Gerade in den letzten Jahren kann man geradezu einen Boom der Klassischen Homöopathie beobachten.

Zu bemerken ist, dass die Homöopathie in Amerika und auch in Indien eine fast ungebrochene Tradition hat. Sehr viele wichtige Erfahrungen mit der Homöopathie, dargestellt in einem breiten Literaturangebot, stammen daher aus dem englischsprachigen Raum.

Die „Athener Schule“ des Griechen Georgos Vithoulkas verhalf der Homöopathie weltweit zu neuem Ansehen. Seine Arbeiten über die Theorie der Homöopathie und die Essenzen homöopathischer Arzneimittelbilder beeinflussen heute die meisten klassischen Homöopathen.

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