Abgrenzung des Begriffes "Klassische Homöopathie"

Der Volksmund kennt die eigentliche Bedeutung des Begriffes Homöopathie nicht. Wenn jemand eine Alternative zur schulmedizinischen Behandlung sucht und einen Heilpraktiker oder Arzt für Naturheilverfahren konsultiert, dann äußert er sich häufig dahingehend, dass er einen Homöopathen aufsucht.

Homöopathie steht hier für eine pflanzliche, ungiftige und unschädliche Medizin. Viele Behandler geben vor, Homöopathen zu sein, wenn sie beispielsweise homöopathische Komplexmittel, anthroposophische Heilmittel, organotrope Homöopathika (s.u.) einsetzen. Da dies alles mit Homöopathie im ursprünglichen Sinne nichts zu tun hat, brauchen wir eine begriffliche Abgrenzung.

Die Komplexmittelhomöopathie

Darunter versteht man die Anwendung homöopathischer Mittelgemische aufgrund einer Krankheitsdiagnose. Wenn beispielsweise eine Herzerkrankung diagnostiziert wurde und ein“homöopathisches Herzmittel“ eingesetzt wird, in dem Strophantin, Ranunculus bulbosus, Spigelia anthelmia und Kalmia enthalten sind, bildet dieses Gemisch einen Arzneimittelkomplex. Der Komplex einzelner Substanzen wirkt, wenn er wie hier einem Herzkranken verabreicht wird, nicht so tief wie ein einzelnes, genau den Symptomen entsprechend ausgewähltes Medikament.

Geht man nach den Regeln der Klassischen Homöopathie vor, wird nicht nur die Organerkrankung betrachtet.

Der klassische Homöopath bezieht in seine Mittelwahl sämtliche vorhandenen körperlichen und psychischen Symptome ein und wählt nur einen Stoff als Heilmittel aus. Dieses so gewählte Medikament beinhaltet die Gesamtheit aller aufgetretenen Krankheitssymptome und erzielt eine optimale Wirkung.

Die Klinische Homöopathie

Hier werden homöopathische Mittel in tiefen Potenzen (D1-D12) nach klinisch gestellten Diagnosen und der Symptomenähnlichkeit des erkrankten Organs mit dem Heilmittel eingesetzt. Die Klinische Homöopathie ähnelt vom Denkansatz her stark der Komplexmittelhomöopathie, auch wenn sie keine Mittelgemische anwendet.

Beispiel:
Es wird die klinische Diagnose Hepatitis gestellt. Aus den bekannten homöopathischen Mitteln gegen Hepatitis wird das am besten passende ausgewählt – falls der Erkrankte beispielsweise an Schmerzen unterhalb des rechten Schulterblattes leidet, verordnet der klinische Homöopath Chelidonium D6.

Dadurch, dass die Auswahl der in Frage kommenden Mittel durch die klinische Diagnose bestimmt wird, fehlt die Offenheit für eine ganzheitliche Wahrnehmung des Patienten. Diese Art der Homöopathie wird von vielen homöopathischen Ärzten praktiziert. Sie geben dabei ihr Denken in Krankheitsdiagnosen, wie sie es an der Universität gelernt haben, nicht auf. Anstatt den ganzen Menschen bei der Anwendung des Ähnlichkeitsgesetzes in Betracht zu ziehen, wird nur ein sehr kleiner Aspekt, die lokale Symptomatik, berücksichtigt. Die Heilerfolge der klinischen Homöopathie bleiben daher eher oberflächlich.

Die anthroposophische Medizin

Das eigentliche Unterscheidungsmerkmal zur Klassischen Homöopathie ist dadurch gegeben, dass in der Anthroposophie – ähnlich wie in der Schulmedizin – Heilmittel gegen Krankheitssymptome eingesetzt werden (z.B. Mistelpräparate gegen Krebs). Die Individualität des gesamten Patienten wird dabei – analog zur Klinischen Homöopathie – außer acht gelassen.

Anthroposophische Therapeuten setzen in ihrer Therapie homöopathische Mittel meist als Komplexmittel ein. Häufig werden homöopathische Potenzen nur bis zum 30. Potenzierungsschritt (der D-Potenz) verwendet. Manche Nachfolger des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, glauben, dass Potenzen, welche die 30. Potenzierung überschritten haben, unverantwortbar tief in die menschliche Persönlichkeitsentwicklung eingreifen. Die negative Auswirkung der Krankheit auf die „freie“ Persönlichkeitsentwicklung wird aus dogmatischen Gründen hierbei übersehen.

Dennoch wird Krankheit dabei nicht als eine rein körperliche Angelegenheit verstanden, sondern man ist in der anthroposophischen Medizin bemüht, jeweils die tieferen geistigen Zusammenhänge zu sehen. Diese Erkenntnisse fließen jedoch weniger in die Wahl des Medikamentes ein, sondern vielmehr in zusätzliche Therapieformen wie Musik-, Kunst- oder Bewegungstherapie.

Die Klassische Homöopathie

Unter Klassischer Homöopathie wird die Form der Homöopathie verstanden, die auf den Lehren Hahnemanns aufgebaut ist. Nach ihm soll für die Gesamtheit aller körperlichen und geistigen Beschwerden immer nur ein Medikament zur gleichen Zeit verabreicht werden. Das Beharren auf seiner Lehre hat nichts mit falsch verstandenem Konservatismus zu tun. Es basiert vielmehr auf den seit fast 200 Jahren bekannten, funktionierenden Naturgesetzen der Klassischen Homöopathie. Diese haben sich zigtausendmal in der Praxis bewährt und immer wieder als die optimale Heilmethode herausgestellt. Alle „Modernisierungsversuche“ der Homöopathie, die von diesen Gesetzen wegführten, ergaben schlechtere Heilungsergebnisse. Trotz Umweltverschmutzung, neuer Medikamente etc. blieben die Prinzipien der Klassischen Homöopathie erhalten.

Der klassisch arbeitende Homöopath versucht zunächst, in einer ausführlichen Fallaufnahme (Anamnese), die bis zu fünf Stunden dauert, alle körperlichen und psychischen Symptome zu erfassen. In die Erstanamnese bezieht er die Biographie des Patienten genauso ein wie die Erkrankungen der Familie. Das gesamte Symptomenbild führt dann oft nach langer Detektivarbeit zum Simile, dem am besten auf den Gesamtzustand passenden Mittel. Was die Potenzhöhe, die Dosierung und die Häufigkeit der Einnahme des Mittels anbelangt, so zeichnet sich der klassische Homöopath dadurch aus, dass er sich in jedem Fall an der individuellen Reaktion des Patienten auf die erste Mittelgabe orientiert. Der wirkliche Homöopath verwendet grundsätzlich jede Potenzhöhe, sofern der Patient damit geheilt werden kann. Er wird niemals eine Begrenzung der Potenz nach oben oder unten akzeptieren.

Unter Heilung versteht die Klassische Homöopathie nicht nur das Verschwinden der Krankheitssymptome. Vielmehr geht die Heilung mit einem erhöhten Wohlbefinden des Patienten einher. Nach Verabreichung der richtigen Arznei kommt es zunächst zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens. Erst dann verschwinden Organsymptome von innen nach außen und von oben nach unten. Zuerst heilen also innere Organe wie Herz, Leber, Niere aus, und dann erst gesunden die äußeren Organe, wie z.B. die Haut. Wenn eine Therapie zu einer Verschiebung der Symptome in einer anderen als der oben angegebenen Richtung führt, handelt es sich immer um eine Unterdrückung der Krankheit! Es gilt auch, dass neuere Symptome zuerst verschwinden, während schon länger bestehende Beschwerden sich erst später auflösen. Diese Gesetzmäßigkeiten werden nach dem berühmten Schüler Hahnemanns, C. Hering, die Heringschen Regeln genannt:

Die Richtungsgesetze der Homöopathie

(Die Heringschen Regeln)

Die Heilung schreitet fort:
von innen nach außen
von oben nach unten
Symptome verschwinden in der
umgekehrten Reihenfolge ihres Erscheinens

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Medizin der Zukunft (Radio ZuSa Interview mit Heilpraktiker Uwe Garbers zur Homöopathie)
Was ist klassische Homöopathie (eine kurze Information zum Wesen der Homöopathie)
Krankheitsauslösende Faktoren (zum besseren Verständnis der Homöopathie)
Der Ablauf einer homöopathischen Behandlung
Homöopathische Selbstbehandlung
Homöopathischer Fragebogen
Die Geschichte der Homöopathie
Samuel Hahnemann (kurze Biographie)
Abgrenzung des Begriffes Klassische Homöopathie von anderen Therapierichtungen
Vergleich Homöopathie – Schulmedizin (Allopathie)
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