Übergewicht – vielleicht liegt es am Salat?

Es gibt eine Vielzahl von Gründen für ein überhöhtes Körpergewicht. Wichtig ist die Abklärung der Ursache/n. Sind falsche Ernährung und mangelnde Bewegung auszuschließen, kann ein veränderter Hormonspiegel, eine Schilddrüsenunterfunktion, etc. dahinterstecken.

Und natürlich müssen wir, wenn wir z.B. einen veränderten Hormonspiegel vorfinden, sofort wieder fragen, wodurch diese Störung denn verursacht ist (weitere Ausführungen hierzu unter „Das Fassmodell“).

Eine weitere häufige Ursache für eine krankhafte Adipositas (Fettsucht) ist die Überladung des Körpers mit nicht ausscheidungsfähigen Schadstoffen, z.B. Schwermetallen aus der Industrie oder den Zahnlegierungen, Lösemitteln; Medikamenten, etc.

Um einer Selbstvergiftung vorzubeugen baut der Organismus Fettzellen an um diese Stoffe dort – relativ unschädlich – abzulagern. Das schlimmste, was wir in solch einer Situation tun können, ist, diese Fettzellen durch eine Diät oder Fastenkur „abzuschmelzen“, da hierdurch die Schadstoffe wieder freigesetzt werden und es zu einer Rückvergiftung kommt. Die Schadstoffe müssen in diesem Fall zunächst gebunden und ausgeleitet werden. Je nach Schadstoff und Befinden des Patienten muss der Therapeut den hierfür sichersten (d.h. den Organismus möglichst wenig belastenden) Weg wählen.

Auch eine Nahrungsmitteluverträglichkeit kann auslösend für die krankhafte Fettsucht (Adipositas) sein. Verträgt der Körper bestimmte Nahrungsmittel nicht, kann das zu Allergien führen. Bei den Nahrungsmittel-Allergien ist das Immunsystem mit seinen Antigenen und Antikörpern involviert. Normalerweise verhindert es Infektionen, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten hervorgerufen werden. Bei Allergien hingegen antwortet der Körper auf eine fremde Substanz mit einer krankhaft übersteigerten Abwehrreaktion. Der Name Allergie leitet sich aus dem griechischen „allos“ für „fremd“ und „ergon“ für „Arbeit“ ab.

Da bei einer IgE-vermittelten Allergie der Körper sehr schnell, innerhalb von 5 bis 20 Minuten nach dem Allergenkontakt reagiert, wird sie auch als Allergie vom Soforttyp bezeichnet. Entwickelt der Betroffene einmal eine Allergie gegen ein bestimmtes Nahrungsmittel, hat er damit – sofern keine homöopathische Heilung erfolgt (siehe Allergien heilen = homöopathisch behandeln) ein Leben lang Probleme. Auch wenn er das allergene Produkt über Monate oder sogar Jahre meidet, der Körper „erinnert“ sich daran, sobald eine kleine Menge verzehrt wird. Es kommt zur allergischen Reaktion.

Anders sieht dies bei der verzögerten oder maskierten Allergie aus. Sie wird durch IgG vermittelt. Symptome einer verzögerten Allergie bzw. Nahrungsmittel-Unverträglichkeit treten zeitversetzt innerhalb von 8 bis 72 Stunden nach der Nahrungsaufnahme auf. Es kann also passieren, dass ein Betroffener erst am Freitag auf ein Lebensmittel mit Magen-Darm-Problemen reagiert, welches er bereits am Mittwoch verzehrt hat. Das Tückische daran: Diese Allergien werden oft ein Leben lang nicht erkannt. Ist eine IgG-vermittelte Allergie hingegen bekannt, hat das für den Betroffenen auch eine positive Seite: Da das Erinnerungsvermögen des Körpers bei der verzögerten Allergie nicht so gut funktioniert, „vergisst“ er die Allergene, werden sie eine Zeitlang weggelassen. Man kann diese Lebensmittel wieder unbesorgt konsumieren.

Wie funktioniert das Immunsystem?

Immunglobuline G (IgG) sind die Haupt-Antikörper des Blutes und somit der inneren Körperabwehr. Dringt ein Fremdkörper in die Blutbahn ein, sind diese Antikörper zeitlich als Erstes aktiv. Zu hoch sind sie bei Autoimmunerkrankungen und chronischen Infektionen. Immunglobuline A (IgA) sind die Haupt-Antikörper der Schleimhäute z.B. des Darms und dienen dort der Abwehr von Fremdkörpern. Immunglobuline E (IgE) sind ebenfalls stark spezialisiert und bei der Abwehr von Wurminfektionen und bei Allergien aktiv. Obwohl diese nur 0,001 Prozent der Antikörper ausmachen, spielen sie bei über 90 Prozent aller allergischen Prozesse eine wichtige Rolle.

Antikörper oder im Fachjargon Immunglobuline werden den weißen Blutkörperchen zur Verfügung gestellt, damit diese überhaupt merken, wann etwas los ist. Diese „Blutpolizei“ macht Krankheitserreger unschädlich und schützt so den Körper vor Infektionen. Immunantworten werden durch Antigene hervorgerufen. Diese Fremdkörper wie z. B. Nahrungsbestandteile führen zur Bildung von Antikörpern. Dies geschieht, wenn der Körper die Antigene als fremd erkennt. Die Antikörper docken an die Fremdkörper an, um den Abwehrprozess einzuleiten.

Immunantwort in Form von Allergie bzw. Nahrungsmittelunverträglichkeit

Bei der verzögerten Allergie spielt eine Leukozytenart, das Neutrophil, eine entscheidende Rolle. Neutrophile nehmen schädliche Produkte ins Innere auf. Dort verfügen sie über bestimmte Substanzen, die die Eindringlinge „verdauen“ und damit unschädlich machen (Phagozytose). Damit die Neutrophile die Krankheitserreger überhaupt erkennen, werden die Fremdkörper zuvor mit IgG bedeckt. Denn nur in Gegenwart von Antikörpern kann das Neutrophil schädliche Produkte aufnehmen (Gresham 1986).

Doch warum führen einzelne Lebensmittel oder deren Bestandteile zur Allergie bzw. Unverträglichkeit? Die Antwort liegt im Darm: Ein gesunder Darm ist von einer Schleimhaut ausgekleidet, einem starken, besonders stabil gebauten Abwehrsystem. Bereits hier werden erste Krankheitserreger zurückgeschlagen. Der Darm hat allerdings eine weitere Funktion. Die Nahrung wird soweit in Einzelteile zerlegt, dass sie ins Blut aufgenommen werden können. Von dort gelangen sie zu den Körperzellen, wo sie ihre zahlreichen Aufgaben erfüllen.

Ist der Darm „undicht“ bzw. ist die Durchlässigkeit erhöht, können größere unverdaute oder nicht vollständig verdaute Nahrungsbestandteile in das Blut eindringen. Dort werden sie als fremd erkannt. IgG heften sich an diese Eindringlinge, um sie so für die Neutrophile kenntlich zu machen. Normalerweise „ziehen“ sich die Antikörper und Neutrophile nach getaner Arbeit „zurück“. Nehmen diese Komplexe aus Antikörper und Nahrungsmittel allerdings überhand, können sie nicht mehr abgebaut werden. Aber wohin damit? Sie werden irgendwo in Muskeln, Haut, Lungen, Arterien, etc. abgelagert. Das kann zur Entzündung, zu Schmerz, zur Wassereinlagerung und zu Übergewicht führen.


Neutrophile sind „frustriert“, wenn sie daran scheitern, zu große Partikel aufzunehmen. In diesem Fall entlassen sie ihre Toxine wie z.B. Sauerstoff-Radikale einfach nach außen, um den Eindringling zu zerstören. Dabei verursachen sie aber auch Schäden an Nachbarzellen. Auf diese Weise kann es zu chronischen Entzündungen wie Neurodermitis oder Morbus Crohn kommen. Bei der rheumatösen Arthritis bilden die Neutrophile mehr als 90 Prozent der Zellen, die im Gelenk gefunden wurden. Lassen die Betroffenen spezielle Nahrungsbestandteile weg, bessern sich die Symptome (Darlington, 1986). Ein Forscherteam hat 17 menschliche Entzündungskrankheiten, wie z. B. Morbus Crohn, Neurodermitis, Schuppenflechte identifiziert, in die Neutrophile als Mediator für Gewebsschäden verwickelt sind (Malech, 1987). Wenn Neutrophile Gewebsschäden und damit den Zustand einer chronischen Entzündung verursachen, sind permanent IgG im Blut vorhanden. Dies verstärkt die Stoffwechselsituation zusätzlich.

Nahrungsmittel-Unverträglichkeit und Übergewicht

Eine frühe neutrophile Antwort hat die Freigabe eines äußerst „einflussreichen“ Botenstoffes zur Folge: TNF-a. Es kommt zu ständigen Entzündungen und damit zu Übergewicht, da sich verschiedene biologische Mechanismen häufen. Denn einerseits bedingt TNF-a eine Wasserablagerung im Gewebe. Andererseits beeinflusst dieser Botenstoff entscheidend den Energieverbrauch, die Fetteinlagerung und die Insulinresistenz (Bulló-Bonet, 1999).

Insulin wirkt nicht nur auf Blutzucker, sondern auch auf den Stoffwechsel des Fettes. Das Hormon transportiert Blutzucker in die Körperzellen, um dort Energie zu gewinnen. Auch das Fettgewebe wird auf diese Weise mit Blutzucker versorgt. Dort wird allerdings aus dem Zucker Fett gebildet. Ein hoher Insulinspiegel im Blut bedeutet also auch die Neubildung von Fett, das heißt Gewichtszunahme.

Bei einer Insulin-Resistenz passen die Schlösser (Rezeptoren) der Körperzellen nicht mehr zum Schlüssel Insulin. Die Folge ist ein zu hoher Insulinspiegel im Blut, was z.B. erhöhte Blutzuckerwerte, Zuckermangel in den Geweben sowie einen gestörten Fettstoffwechsel bewirkt. TNF-a spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung einer Insulin-Resistenz über die Regulation der Fettsäuren, des Insulin-Rezeptor-Mechanismus und der Leptinproduktion (Hotamisligil, 1999). Der Botenstoff aktiviert im Fettgewebe ein Enzym, das gespeichertes Fett abbaut. Das Ergebnis sind hohe Fettsäurewerte im Blut, die sich in den Körperzellen anhäufen. Außerdem bevorzugen die meisten Zellen Fettsäuren statt der Zuckers. Somit bleibt der Zucker im Blut, die Insulinwirkung wird abgeschwächt bzw. eine bestehende Insulin-Resistenz verstärkt. Zusätzlich behindern viele freie Fettsäuren im Blut die Aufnahme und den Abbau von Insulin in der Leber, die normalerweise mehr als ein Drittel des Hormons verstoffwechselt. Verstärkt wird die Situation noch, indem TNF-a die Wirkung der Insulin-Rezeptoren reduziert.

Der Zustand der chronischen Entzündung ist über eine Steigerung von TNF-a-Werten mit einem hohen Leptinspiegel verknüpft. Dieser Botenstoff wird von den Fettzellen produziert (Hotamisligil, 1999). Das Hormon informiert das Gehirn über den „Zustand“ des Fettgewebes, also über den menschlichen Energiespeicher. Ist genug oder zuviel Fettgewebe vorhanden, greift Leptin regulierend ein, um Gewicht zu verlieren. Die Energieaufnahme nimmt ab, indem Appetit und Nahrungsmittel-Konsum sinken. Auch der Energieverbrauch wird gesteigert, indem der Körper Thermogenese (Wärmebildung im Körper und Energieabgabe in Form von Wärme über die Haut) und die Aktivität ankurbelt (Halle, 1998). Da aber Übergewichtige verglichen mit schlanken Menschen höhere Konzentrationen von zirkulierendem Leptin haben, sind vermutlich die Rezeptoren, also die Schlösser, für Leptin durch die ständige Stimulation defekt bzw. die Signalübertragung funktioniert nicht. Wissenschaftler sprechen sogar von Leptin-Resistenz (Halle, 1998).

Normalerweise hemmt Leptin im Gehirn die Produktion von Neuropeptid g,das die Nahrungsaufnahme stimuliert (Girard, 1997). Ist dieses Neurohormon in zu großen Mengen vorhanden – was bei einem Leptinmangel der Fall ist – führt es zu einer gesteigerten Freigabe von Insulin und Hormonen, was die Neubildung von Blutzucker in der Leber anregt. Das wiederum bewirkt eine vermehrte Fettzellbildung, Übergewicht und Insulinresistenz. Der „Stoffwechsel-Kreis“ schließt sich.

Schlussfolgerung
Der weitere Konsum von Lebensmitteln, auf die allergisch reagiert wird, kann zu vermehrten Fettablagerungen führen. Für die genannten Stoffwechselentgleisungen muss der Therapeut die Ursachen herausfinden (siehe auch Krankheitsauslösende Faktoren).
Durch den diagnostischen Nachweis von IgG-Antikörpern gegen Nahrungsmittel können diese für eine gewisse Zeit aus der Ernährung eliminiert werden und der Organismus kann schnell wieder gesunden und zu einem normalen Gewicht zurückgelangen.


Natürlich haben wir es sehr häufig mit einer Kombination der oben genannten Auslöser für die Adipositas (Fettsucht) zu tun. Aufgrund des Gesamtzustandes des Patienten muss der Therapeut entscheiden, ob diese gemeinsam oder, bei sehr geschwächten Patienten, hintereinander abgebaut werden.


Originaltext bezüglich der durch Nahrungsmittelunverträglichkeit bedingten Adipositas mit freundlicher Genehmigung der Firma EvomedServiceGmbH. Quellenangaben finden Sie ebenfalls auf den Seiten der EvomedServiceGmbH